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Ausschreitungen im Fußball

Fans außer Kontrolle: Sind die Vereine zu nachgiebig?

  • Video Pilz: "Fans haben den Respekt verloren"
  • Video Hertha verliert auch am Grünen Tisch
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    Immer mehr Fans leben ihren Frust auf Spieler und Mannschaften "hemmungslos" aus. Fanforscher Professor Gunter A. Pilz fordert deshalb die Vereine auf, Ausschreitungen ihrer Anhänger zu bestrafen.

    (22.05.2012)
    VideoVideo Urteil

    Das DFB-Sportgericht hat den Einspruch gegen die Wertung des Relegationsspiels in Düsseldorf abgewiesen. Der Fortuna-Aufstieg steht aber weiter unter Vorbehalt. Die Berliner wollen in Berufung gehen.

    (21.05.2012)
    VoteAbstimmung

    Kurzmeldung

    • 13:23 22.05.2012Kurzmeldung

      Verfahrensfehler des Sportgerichts? 13:23 22.05.2012
      Der Hamburger Sportrechtler Jan Räker hat nach der Verhandlung zum Einspruch von Hertha BSC gegen das Spiel "klare Verfahrensfehler" des DFB-Sportgerichts angeprangert. Er bezieht sich darauf, dass das Gericht in Frankfurt von Hertha vorgelegte Videos und Fotos aus formellen Gründen nicht zugelassen habe. "Das ist genau die Art von Rechtsfehlern, die bei einer übergeordneten Instanz, also auch vor einem ordentlichen Gericht, wenn die Hertha dorthin gehen würde, dazu führen könnten, dass die Entscheidung aufgehoben wird", sagte Räker.

    • 12:14 22.05.2012Kurzmeldung

      Hertha-Manager Preetz unter Beschuss 12:14 22.05.2012
      Nach der Niederlage vor dem DFB-Sportgericht wird der interne Gegenwind für Hertha-Manager Michael Preetz immer größer. "Wir haben chaotische drei Jahre hinter uns gebracht. Michael Preetz muss verantworten, dass wir zweimal hintereinander in die 2.Liga abgestiegen sind", so Ingmar Pering, Hertha-Präsidiums-Mitglied, in der Sendung "Querpass" von TV Berlin. Pering erklärte zudem, dass die überwiegende Mehrzahl des Hertha-Präsidiums gegen eine Weiterbeschäftigung von Preetz sei.

    • 15:14 21.05.2012Kurzmeldung

      DFB weist Herthas Protest ab 15:14 21.05.2012
      Das unter chaotischen Umständen beendete Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) wird nicht wiederholt. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wies den Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung am Montag ab. Laut erster Instanz ist die Hertha damit aus der Bundesliga abgestiegen. "Der Einspruch hatte keinen Erfolg, weil kein Einspruchsgrund nachzuweisen war", sagte de Sportgerichtsvorsitzende Hans Lorenz. Hertha will gegen das Urteil Berufung einlegen. Nächsthöhere Instanz ist nun das Bundesgericht des DFB.

    • 15:24 21.05.2012Kurzmeldung

      Lorenz: "Schwächung nicht zu belegen" 15:24 21.05.2012
      Das DFB-Sportgericht ist in seiner Entscheidung zum Relegations-Rückspiel zwischen Düsseldorf und Berlin (2:2) den Argumenten der Fortuna-Seite gefolgt. "Der Schiedsrichter hat jederzeit regelkonform gehandelt, und die von Hertha BSC behauptete einseitige Schwächung durch die Unterbrechung konnte nicht belegt werden", sagte Sportgerichtsvorsitzende Hans Lorenz. Hertha wird vor dem DFB-Bundesgericht gegen das Urteil Einspruch einlegen. Es wird voraussichtlich am Mittwoch zu einer weiteren Verhandlung am kommen.

    • 11:10 21.05.2012Kurzmeldung

      Düsseldorf bittet Fans zur Kasse 11:10 21.05.2012
      Fortuna Düsseldorf will sich die zu erwartende Geldstrafe für den verfrühten Platzsturm im Relegationsrückspiel gegen Hertha BSC (2:2) von den beteiligten Fans zurückholen. "Wir werden das unter denen aufteilen, die wir ausfindig machen können", sagte Finanzvorstand Paul Jäger dem "Express" und rief zugleich zu Spenden auf: "Alle anderen können anonym in einen Pool einzahlen. Dann ist es für den Rest nicht ganz so teuer", sagte Jäger. Etwa 1500 Fortuna-Fans waren bereits vor Ablauf der siebenminütigen Nachspielzeit auf den Platz gelaufen.

    Die Stimmen zum Relegations-Urteil

    Das sagt das DFB-Sportgericht

    Hans E. Lorenz / Quelle: dpa

    Sportgerichtsvorsitzender Hans E. Lorenz:

     "Der Einspruch hatte keinen Erfolg, weil kein Einspruchsgrund nachzuweisen war. Der Schiedsrichter hat jederzeit regelkonform gehandelt, und die von Hertha BSC behauptete einseitige Schwächung durch die Unterbrechung konnte nicht belegt werden."

    "Es war eine Tatsachenentscheidung. Das Spiel wurde dreimal unterbrochen und
    dreimal fortgesetzt. Das sind Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters. Der Versuch, nachzuweisen, dass die Berliner unter Angst standen, blieb ohne Erfolg. Es wurde kein Berliner Spieler verletzt oder körperlich angegriffen oder musste ausgewechselt werden. Wäre das der Fall gewesen, hätte der Einspruch erfolgt gehabt. Hätte der Platz nicht geräumt werden können - auch dann hätte eine Spielumwertung stattfinden müssen. Der Nachweis einer psychologischen Beeinträchtigung wurde nicht geführt."

    "Die Fans stürmten nicht in feindseliger Haltung auf den Platz. Es ist das gute Recht von Stark, zu sagen: Das Spielfeld ist wieder frei, wir machen weiter."

    "Das war hier und heute und am Freitag eine schwierige Entscheidung für uns. Auch wenn der Einspruch keinen Erfolg hatte, sagen wir ausdrücklich, dass wir Verständnis haben, dass der Verein nach diesem Strohhalm gegriffen hat."

    Quelle: sid

    Reaktionen Hertha BSC

    Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt :

    "Alle haben gesehen, dass das ein irreguläres Spiel war. Das war am Ende kein Fußballspiel mehr. Das Gericht hat von einem positiv besetzten Platzsturm gesprochen. Das ist ein lustiger Begriff für das, was wir gesehen haben. In diesem Urteil und in diesem Verfahren hat das Sportgericht nicht den selbstgebildeten Ansprüchen genügt."

    Reaktionen Fortuna Düsseldorf

    Peter Frymuth, Vorstandsvorsitzender:

    "Im Grunde sind wir erleichtert und erfreut, dass das Ergebnis Bestand hat. Wir hoffen und gehen davon aus, dass das auch in zweiter Instanz Bestand haben wird. In erster Instanz ist alles ausführlich beleuchtet worden. Und das Ergebnis ist deutlich. Unsere Feststellung ist, dass das Spiel ordnungsgemäß zu Ende gebracht wurde."

    Quelle: sid

    Kommentar von Norbert König

    Das Drama um die Relegation zwischen Fortuna und Hertha geht weiter. Am Freitag verhandelte das DFB-Sportgericht sieben Stunden lang, am Montag dann das erstinstanzliche Urteil: Herthas Einspruch wird abgewiesen. Doch die Berliner kündigen umgehend Berufung an. Ein Ende des Rechtsstreits ist nicht absehbar.

    „Dann wurde der Platz natürlich sofort wieder gestürmt.“ Fast gleichlautend haben im Zeugenstand die Vertreter von DFL und DFB den Moment geschildert, als das Skandalspiel von Düsseldorf tatsächlich beendet war. Aber ist es denn „natürlich“, dass Fußballprofis, vor allem die der Gästemannschaft, zweimal binnen einer halben Stunde vor heranstürmenden Fußballfans die Flucht ergreifen müssen? Da spielt es für mein Gefühl keine Rolle, ob diese Meute nun in friedlicher Absicht oder gewaltbereit unterwegs war.

     

    Möglicherweise unfreiwillig haben Ralf Ziewer, der DFB-Sicherheitsbeauftragte für die Partie in Düsseldorf, und Götz Bender, der Projektleiter der DFL für die beiden Relegationsspiele, mit ihrer Schilderung des finalen Sturmlaufes vieler Zuschauer den Finger in die Wunde gelegt. Selbstverständlich ist es keineswegs natürlich, dass einem Teil des Publikums praktisch vorzeitig Tür und Tor geöffnet werden, um auf dem Rasen die große Aufstiegsparty zu beginnen.

    Revision vor dem DFB-Bundesgericht

    Die Entscheidung des DFB-Sportgerichts ist für mich nicht nachvollziehbar. Was sind sie denn dann noch wert bei derart wichtigen und brisanten Spielen, die Regeln von DFB und DFL? Niemand außer den direkt Beteiligten soll sich während des Spiels am Spielfeldrand oder hinter dem Tor aufhalten, einem ordnungsgemäßen Spielbetrieb zuliebe. Nur weil dann nach ewigem Warten die letzten 90 Sekunden halbwegs regelkonform, ohne Eckfahnen, dafür mit einem Krater als Elfmeterpunkt, gemäß der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichter durchgezogen wurden?

     

    Tatsache ist, nach Auskunft des Sicherheitsbeauftragten: die 900 Düsseldorfer Ordner haben sich den freudetrunkenen Fans nicht in aller Entschlossenheit entgegen gestellt – also ein Heimvorteil für die Feierwilligen. Noch während des laufenden Spiels haben diese Fans das Feld umstellt, die Spieler praktisch eingekesselt, und es bedurfte nur eines kleinen Missverständnisses, dass nach dem Schneeballprinzip der Rasen gestürmt und ramponiert, dass gejubelt und gepöbelt – und den schwächelnden Fortunen damit eine unerwartete Atempause zuteil wurde, knapp zwei Minuten vor Schluss.

    Verängstigte Hertha-Spieler?

    Wer aber will darüber richten, ob sich einer, einige oder alle Hertha-Profis bedroht gefühlt haben, als ihnen Hunderte Fans entgegenstürmten? Wer will behaupten, dass diese Spieler nach zwanzig Minuten in der Kabine mit dem gleichen Elan und Rhythmus – als wäre nichts gewesen – nochmal aufs dritte Tor drängen konnten? Und was wäre denn passiert, wenn dieses dritte Tor tatsächlich noch gefallen wäre?

    Immer noch Party, und „passiert ja keinem was“? Dass Angst laut Gerichtsurteil nicht nachzuweisen ist, hat man schon vorher gewusst. Die Herthaner hätten deshalb nicht so sehr auf die Themen Eskalation und Todesangst abheben sollen – Regelverstöße und  potentielle Gefahren hätten nach meinem Verständnis als Argumente reichen müssen.

    Gefährliche Pyro-Spiele

    Keiner sollte und wird die unverantwortlichen und gefährlichen Pyro-Spiele im Hertha-Block kleinreden. Hätte Wolfgang Stark hier die Notwendigkeit gesehen, das Spiel abzubrechen, wäre es das wohl gewesen mit Herthas Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Andererseits: hätte der Referee das Spiel nach knapp 96 Minuten nicht unter-, sondern abgebrochen, könnte jetzt am grünen Tisch auch schon ein 0:2 gegen den womöglich verantwortlichen Verein stehen – und damit: aus, der schöne Fortuna-Traum.

     

    Auch wenn das halbstündige Plädoyer von Christoph Schickhardt augenscheinlich schon vor der Beweisaufnahme weitgehend auf dem Papier stand: der Hertha-Anwalt hat in brillanter Weise argumentiert, warum dem Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung stattzugeben sei, mag es auch nur noch um knapp zwei Minuten  Spielzeit gegangen sein, und mag eine mögliche psychisch-moralische Schwächung der Spieler eben auch objektiv nicht nachweisbar sein.

    Bärendienst der Fans?

    Mit der falsch verstandenen Umsetzung des oft bemühten Mottos „Die Fans, der 12. Mann“ haben die Düsseldorfer Fans ihrem Team jedenfalls keinen Gefallen getan, egal ob sich eine der nächsten Instanzen doch noch für eine Wiederholung der Partie entscheiden sollte – eine saftige Strafe wird die Fortuna ohnehin zahlen müssen.

     

    Bei der Urteilsfindung hat hoffentlich keine Rolle gespielt, dass einige Hertha-Profis nach Spielschluss auf üble Art und Weise gegenüber dem Schiedsrichter und seinem Team aus der Rolle gefallen sind. Diese Vergehen werden schließlich an anderer Stelle, hoffentlich in aller Schärfe, geahndet. Umso befremdlicher war es, wie oft das Sportgericht auf diese Vorfälle abhob, obwohl sie eben nicht Gegenstand der Verhandlung waren.

     

    Laut Richter Lorenz habe nicht viel gefehlt zu einem Urteil pro Hertha. Gut möglich, dass die Berliner mit Hilfe ihres Anwalts dieses kleine bisschen noch finden werden für die (eventuelle?) Berufungsverhandlung. Der späte Saisonzeitpunkt kann jedenfalls nicht als Argument dienen, die Flinte jetzt auf den Rasen zu werfen ….

    22.05.2012
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