Deutscher Gruppengegner Dänemark
Kvist: "Die anderen müssen, wir können"
Bild: Poulsen, Olsen, Kvist (v.l.n.r.)
VideoVideo Deutschlands Gruppengegner
AbstimmungDänemark - Deutschland - wer gewinnt?
Kvist beispielsweise kann mühelos drei Bücher gleichzeitig lesen. Eines über Ökonomie, eine Biografie und einen Roman. Und er kann erzählen, was in welchem steht, ohne durcheinander zu kommen. „Lesen“, sagt er, „ist wichtig für meinen Kopf. Das macht mich frei.“ In dem Punkt ist der „Stratege“ des dänischen Spiels wie seine Königin. Freiheit ist wichtig, und zwar eine Freiheit, die dem Ganzen nicht schadet.
Dänemarks Triumph 1992
1984 nahm Dänemark das erste Mal an einer EM teil. Seitdem verpasste das Land mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern nur die EM 2008. 1992 wurden die Dänen auf Grund des Ausschlusses Serbiens nachnominiert - und gewannen die EM mit dem 2:0 im Finale gegen Deutschland.
1984 nahm Dänemark das erste Mal an einer EM teil. Seitdem verpasste das Land mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern nur die EM 2008. 1992 wurden die Dänen auf Grund des Ausschlusses Serbiens nachnominiert - und gewannen die EM mit dem 2:0 im Finale gegen Deutschland.
„Die Niederlande sehe ich fußballerisch besser als Deutschland, aber Deutschland hat mehr Power, sie sind mein Titelfavorit“, sagt Kvist. „Auf Deutschland hätten wir gerne verzichtet. Außer ihnen und Spanien können wir alle schlagen“. Kvist und die Dänen geben sich selbstbewusst, obwohl sie nicht nur im ersten Spiel gegen die Niederlande auf den verletzten Stammtorhüter Thomas Sörensen verzichten müssen.Vom Campingplatz zum Titelfavorit
Als müsse er die dänische Lockerheit besonders herauskehren, spricht er statt über Sörensen über Urlaub und wie sehr er die Berge und Norditalien liebt: „Nach der EM werden wir dort hinfahren“. In Dänemark nimmt ihm keiner übel, wenn er jetzt schon an Urlaub denkt. Das Leben geht weiter nach und vor einer EM. Wie 1992, als William Kvist sieben Jahre alt war und im Sommerhaus am Strand miterlebte, wie Dänemark quasi vom Campingplatz aus mit einem 2:0 über Deutschland den Titel gewann.Über schlaflose Nächte kann auch Dänemarks Trainer Morten Olsen nicht berichten. Die Fakten, meint er, lägen auf dem Tisch. „Robin van Persie ist Top-Scorer in der englischen Premier League, Klaas-Jan Huntelaar ist Top-Scorer in der Bundesliga. Gefolgt von Gomez. Ronaldo ist Top-Scorer in Spanien. Wenn Klose verletzt ist, spielt Gomez, wenn Van Persie nicht spielt, kommt Huntelaar“, sagt der 62-Jährige, der seit 2000 die Dänen betreut und lächelt.Kluger Underdog„Trotzdem fahren wir nicht als Sparringpartner zur EM. Es ist die kluge Mentalität eines Underdogs. Diese Rolle macht uns nichts aus, weil wir darin kein grundsätzliches Problem sehen. Wir haben die Einstellung, das Beste daraus zu machen. Man könnte die Gruppe auf den Nenner bringen: Die anderen müssen, wir können.“
Taktik, Stars, Stärken und Schwächen
Team
„Es ist ein Albtraum“, gab Trainer Morten Olsen verschmitzt zu Protokoll, nachdem die EM-Gruppen ausgelost worden waren. Denn trotz starker Qualifikation gehen die Dänen in der Gruppe B als krasser Außenseiter an den Start. Der Grund: Es warten nicht irgendwelche Gegner, sondern drei absolute Top-Teams aus Deutschland, Portugal und den Niederlanden.
Ohne wirkliche Stars wird individuelle Qualität die Dänen nicht aus dieser schwierigen Lage befreien. Sollte es ins Viertelfinale gehen, dann nur über mannschaftliche Geschlossenheit und große taktische Kollektivstärke. Falls Olsens Elf das nötige Glück hat, die Gruppe zu überstehen, dann hätte sie das Potential zu einer ganz großen Überraschung. Die potentiellen Viertelfinalgegner aus Gruppe A dürften allesamt schlagbar sein.
Taktik
Die Dänen gehören zu den taktisch stärkeren Mannschaften des Turniers und punkten mit einer Eingespieltheit, die nur wenige andere Teilnehmer aufbieten können. Seit der WM 2010 blieb das Team weitgehend unverändert und wird seit zwölf Jahren vom gleichen Trainer betreut. Morten Olsen hat über die Jahre viel Detailarbeit betrieben und sein selten klares 4-2-3-1-System perfektioniert.
Mit einem kompromisslosen Gemeinschaftsgeist sehen sich die Spieler auf dem Platz ständig um und suchen ihre Mitspieler, gehen ohne zu zögern mit Leichtigkeit jeden Weg zur Unterstützung und verschieben offensiv wie defensiv weit zum Ball. Bei Ballbesitz suchen sie unermüdlich nach Kombinationsgelegenheiten, während sie beim Pressing zu elft einen klaren Plan verfolgen.
Stärken
Kollektives Denken, ein gutes Auge für die Mitspieler und langjährige Zusammenarbeit sind die großen Stärken der Olsen-Truppe. Obwohl Dänemarks Defensivabteilung spielerisch nur durchschnittlich besetzt ist, zeigen sie ein sehr attraktives Aufbauspiel. Die dänischen Spieler sind nicht auf eine bestimmte Struktur ihrer Angriffe festgelegt, sondern wählen zwischen Kurzpassspiel und langen Bällen, durch die Mitte oder über einen Flügel. Das macht es für Gegner schwierig, sich einen bestimmten Punkt in Dänemarks Formation zu suchen, den man besonders stark presst oder isoliert.
Eine weitere Qualität der Dänen: Kreative Standards. Auch hier glänzen sie durch Variantenreichtum. Wichtig hierfür ist natürlich, einen guten Standardschützen zu haben – Christian Eriksen ist die Nummer eins.
Schwächen
Das Pressing im Mittelfeld ist zwar sehr gut angelegt, ein ausgewiesenes Bollwerk bilden die Dänen dennoch nicht. Ein Problem, das Sie noch haben, taucht vor allem beim Verteidigen des Strafraums auf: Teilweise sind die Spieler so auf ihr Kollektivspiel fokussiert und so arbeitsam, dass ihnen in manchen Szenen die taktische Souveränität fehlt, um Abstände zu halten.
Außerdem ist das System stark auf die Qualitäten der Stammspieler ausgerichtet und beinhaltet auch eine Abhängigkeit von den Offensivspielern. Die große Eingespieltheit ist Resultat von einer sehr klaren Stammelf. Passend dazu nominierte Olsen vorläufig sogar nur 20 Spieler und hielt die verbliebenen Plätze offen. Hier wird Olsen vor schwierige Aufgaben gestellt werden, sollten sich zentrale Spieler verletzen.
Stars
Der Erfolg von "Danish Dynamite" stand und fiel in der jüngeren Vergangenheit mit Nicklas Bendtner. Doch die Karriere des auch erst 24 Jahre alten Angreifers hat einen Knick bekommen - Alkoholeskapaden, Prügeleien, Gerichtsprozesse, Führerscheinverlust inklusive. Dänemark spricht längst von einem anderen Youngster: Christian Eriksen, 20 Jahre alter Regisseur von Ajax Amsterdam, gilt als Jahrhunderttalent.
"Er ist sehr wichtig für das Landshold, er kann den Unterschied ausmachen", sagt Brian Laudrup über Eriksen. Der beidfüßige, starke Pass- und Ideengeber ist zusammen mit Bendtner das Herzstück von Dänemarks System. Sie sorgen vor allem mit flachen Vertikalpässen aus den hinteren Reihen immer wieder für Überraschungsmomente – vor allem bei Angriffen über die rechte Seite.
Größter Erfolg
Europameister 1992



