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Frauenfußball

Kick it mit Kopftuch

  • Kopftuch-Verbot aufgehoben
  • Video 1:0 für die Integration
  • Auch das iranische Frauenfußballteam (r.) darf in Zukunft mit Kopftüchern spielen. Beim Olympia-Qualifikationsturnier waren sie wegen ihrer Kopfbedeckung disqualifiziert worden.

    (16.07.2012)
    Video1:0 für die Integration

    Kamran Safiarian spricht mit der DFB-Integrationsbeauftragten Gül Keskinler. In ihren Aufgabenbereich gehört das Miteinander der Spieler verschiedener Kulturen auf den vielen Fußballplätzen in Deutschland.

    (30.09.2011)
    von Torsten Haselbauer

    Der jahrelange Kopftuch-Streit im Fußball ist vorläufig beendet. Ab sofort dürfen muslimische Frauen auch offiziell mit Kopftuch kicken. Ein Urteil, von dem nicht nur Nationalteams, sondern auch kleine Vereine profitieren könnten. Der DFB zumindest hofft, dass nun noch mehr muslimische Mädchen in den Klubs spielen werden.

    In der ganzen Diskussion um die Torlinientechnologie ist eine andere Änderung des International Football Association Board (IFAB) fast ein wenig untergegangen. Dabei ist sie für den Integrationsbeauftragten des Berliner Fußball-Verbandes, Mehmet Matur, "mindestens genauso revolutionär". Die obersten Regelhüter des IFAB hatten Anfang Juli nämlich auch beschlossen, dass es islamischen Fußballerinnen ab sofort offiziell erlaubt ist, mit Kopftuch zu kicken.

     

    Zweijährige Testphase

    Durch diesen "Hidschab-Beschluss" ist in eine jahrelange Debatte über das Für und Wider des Tragens von Kopftüchern im Frauenfußball zumindest für zwei Jahre Ruhe eingekehrt. So lange nämlich ist die Testphase ausgewiesen, bevor das IFAB dann wohl unwiderruflich für das Aufheben des Kopftuchverbots stimmen wird. "Das ist auch eine Entscheidung für die Religionsfreiheit. Davon profitieren nicht nur die Nationalteams, sondern vor allem auch die kleinen Vereine an der Basis", erklärt Mehmet Matur zdfsport.de.

    Über die Änderung des seit 2007 international geltenden Kopftuchverbots im Frauenfußball zeigt sich auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erfreut. "Gerade konservative muslimische Familien haben sich oft schwergetan, ihre Töchter Fußball spielen zu lassen. Ich habe die Hoffnung, dass durch die Entscheidung des IFAB Bedenken schwinden und sich noch mehr muslimische Mädchen in unseren Fußballvereinen anmelden werden", sagte die Integrationsbeauftragte des DFB, Gül Keskinier, nach der Regeländerung.

    Kopftücher mit Verletzungsgefahr?

    Der Weltfußballverband (FIFA) begründete im Jahr 2007 die Einführung des Kopftuchverbots im Frauenfußballsport mit der Verletzungsgefahr. Die FIFA empfahl stattdessen den muslimischen Spielerinnen das Tragen von eng anliegenden Kappen. Diese aber wurden von den Spielerinnen nicht akzeptiert, weil sie den Nacken frei lassen. Dass bei den kampf- und körperbetonten Sportarten Rugby oder Taekwondo jedoch Kopftücher erlaubt sind, sorgte bereits vor fünf Jahren für Diskussionsstoff.

    Der "Kopftuch-Streit" eskalierte im vergangenen Jahr, als das iranische Frauenfußballteam aus dem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in London genommen wurde. Weil der iranische Fußballverband sich weigerte, seine Kickerinnen zum Spiel gegen Jordanien ohne Kopftücher spielen zu lassen, wertete der Weltfußballverband das Match als eine 0:3 Niederlage - wie alle anderen drei noch angesetzten Spiele mit Beteiligung des Irans auch.  Das sorgte nicht nur für heftigen Protest bei iranischen Regierungsvertretern sondern auch bei den Vereinten Nationen (UN). Der Sportsonderberater der UN, Willi Lemke, forderte in einem Brief den FIFA-Präsidenten Sepp Blatter auf, "jedem Menschen die Teilnahme am Fußball zu ermöglichen".

     

    Ende der Benachteiligung

    Der Integrationsbeauftragte des Berliner Fußball- Verbandes, Mehmet Matur, erwartet zwar durch die Pro-Kopftuch-Entscheidung keinen unmittelbaren Anmeldeboom von muslimischen Mädchen und Frauen in den Fußballvereinen. Aber er sieht zumindest eine große Hürde gefallen. "Muslimische Frauen bewegen sich überall in der Gesellschaft mit Kopftuch, durften es aber bisher nicht im Fußballsport. Diese Benachteiligung ist jetzt vorbei und das wird langfristig Auswirkungen haben", da ist sich Matur ganz sicher.

    16.07.2012
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