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Bundesliga

Trikotwerbung: Ein Pakt mit dem Teufel?

  • Video Fans wettern gegen neuen Sponsor
  • Bilderserie Traditionspflege beim Trikotdesign
  • Bilderserie Kuriose Trikotwerbungen
  • VideoBundesliga-Trikots

    Der in die Kritik geratener Geflügelfabrikant Wiesenhof wird  Trikot-Sponsor von Werder Bremen werden. Dem Verein weht jetzt ein ordentlicher Proteststurm von Fans und Tierschützern entgegen.

    (10.08.2012)
    BilderserieTraditionspflege beim Trikotdesign
    Sebastian Kehl / Quelle: imago
    (21.08.2012)
    BilderserieKuriose Sponsoren
    (20.08.2012)

    Kurzmeldung

    • 11:56 22.08.2012Kurzmeldung

      FC Bayern verlängert mit Hauptsponsor 11:56 22.08.2012
      Der FC Bayern München hat den Vertrag mit seinem Hauptsponsor Telekom um weitere vier Jahre bis 2017 verlängert. Über die finanziellen Rahmenbedingungen machten beide Seiten keine Angaben. Bayern soll bislang rund 20 Millionen Euro pro Saison erhalten haben. Die neue Vereinbarung legt jedoch nahe, dass sich die Einnahmen des FC Bayern erhöhen. Wie der Klub mitteilte, erhält die Telekom zusätzliche Werberechte und Leistungen, beispielsweise im Social- Media-Umfeld und beim FC Bayern News Format, das ab dieser Saison auf FCB.tv neu startet.

    von Ralf Lorenzen

    Als einen "faustischen Pakt" bezeichnet ein Marketingexperte den Deal von Werder Bremen mit dem umstrittenen Geflügelproduzenten Wiesenhof. Der Rückblick auf die Geschichte zeigt, dass die ethischen Grenzen der Trikotwerbung immer vom Zeitgeist bestimmt waren.

    ZITAT
    Eine Marke drückt auch immer eine Haltung aus
    Marketingexperte Thomas Loest
    Mit der Speckflagge fing alles an. Lange bevor Schnapsfabrikanten, Energieunternehmen und Wettanbieter Fußballerbrüste für ihren Imagetransfer entdeckten, liefen die Profis von Werder mit der Bremer Landesflagge auf. Als Dank dafür, dass Politik und Wirtschaft der Hansestadt den Verein gerade vor dem Ruin gerettet hatten. 1971 war das und die Speckflagge hatte nichts mit Tierhaltung oder deren Produkten zu tun, sondern lediglich das Aussehen von gestreiftem Speck. Aufgeregt hat sich niemand.

    Zwei Verlierer?

    Gut 40 Jahre später sorgt die Werder-Brust für helle Aufregung und eine Debatte über die ethischen Grenzen des Sponsorings bei Fußballvereinen. „Im Moment sind es zwei Verlierer“, sagte Felix Stöckle, Chef der Hamburger Marken- und Designagentur "Landor" zum Sponsorenvertrag zwischen Werder und dem Geflügelproduzenten Wiesenhof. „Der eine verliert, weil er sich ‚verkauft‘ und der andere, weil er den anderen aus Sicht der Fans ‚missbraucht‘. Es kann weder im Interesse des Vereins, noch von Wiesenhof sein, aus kommerziellen Interessen jenseits von Moral und Ethik zu stehen.“

    ZITAT
    Mach ihn rein
    Werbung eines Kondomherstellers
    Der Geflügelproduzent Wiesenhof war in den letzten Jahren mehrfach wegen seiner Tierhaltung ins Gerede gekommen. Tierschutzverbände und einzelne Politiker protestierten heftig, eine Protestinitiative im Netz hat schon 30.000 Anhänger und eine nicht bekannte Zahl von Mitgliedern ist aus dem Verein ausgetreten.

    Schleichwerbung für Jägermeister

    Dabei ist Wiesenhof nicht der erste Werder-Sponsor mit zweifelhaftem Ruf. Daran erinnerte der Bremer CDU-Fraktions-Vize Heiko Strohmann mit seiner Bemerkung, dass der Textilhersteller "Kik", der in Bangladesch produziere, die Grünen als Trikotsponsor auch nicht gestört habe.

    In der Tat scheint es keine objektiven moralischen Grenzen für Werbeaktivitäten von Fußball-Vereinen zu geben. Als 1973 die Profis von Eintracht Braunschweig als erste mit einem Firmenlogo aufliefen, richtete sich die Empörung gegen diese Form der „Schleichwerbung“ der Firma Jägermeister und nicht gegen das Anpreisen eines alkoholischen Getränkes an sich.

    Kondome vor Gericht

    Dagegen erntete der FC St. Pauli zwanzig Jahre später heftige Kritik dafür, das Emblem der Whiskeymarke Jack Daniels auf seinem Trikot zu tragen. Ähnlich geht es heute Eintracht Frankfurt, das für eine Biermarke Reklame läuft. "Alkoholwerbung im Sport ist nicht tragbar," sagt nicht nur Die Grüne Jugend Hessen.

    Umgekehrt sah der DFB noch 1988 einen Verstoß gegen "Ethik und Moral" darin, dass der FC Homburg für den Kondomhersteller „London“ auf seiner Brust warb und musste erst nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt klein beigeben. 2010 störte sich kein Sittenwächter mehr daran, als die Firma Billy Boy zahlreiche Amateurkicker zwischen Laboe und Freisenbruch mit dem Slogan „Mach ihn rein“ ausstattete.

    Werders Image in Gefahr

    Und auch die anfängliche Aufregung über die Partnerschaft von Schalke 04 mit dem russischen Energieriesen Gazprom ist längst abgeebbt. Im YouGov-Imageindex stieg der Wert des Unternehmens bei den Fans im Verlauf des zurückliegenden Saisonverlaufs von fünf auf sieben Punkte.  „Generell werden energielastige Branchen eher kritisch von der Bevölkerung beäugt“, sagt Marktforscher Stephanus Tekle im Handelsblatt. „Daher ist das Schalke-Sponsoring von Gazprom als Erfolg zu bewerten.“

    Ob das von der Verbindung zwischen Wiesenhof und Werder Bremen in einem Jahr auch gesagt werden kann, wird von Marketingexperten bezweifelt.  "Eine Marke drückt auch immer eine Haltung aus", sagte der Geschäftsführer der Bremer Agentur Red Pepper, Thomas Loest, dem "Weser Kurier". "Und Werder ist eine ganz starke Marke, die für Fairness, Nachhaltigkeit und Sympathie steht. Das verträgt sich nicht mit einer Marke wie Wiesenhof, die mit ihren Skandalen genau das Gegenteil davon verkörpert."

    Steilvorlage für die Schreiber

    Ein Gewinner des Deals sind auf jeden Fall Sportberichterstatter mit Vorliebe für bildreiche Wortspiele. Die Mannschaft von Werder Bremen musste sich nach der Pokal-Blamage in Münster wohl nicht zum  letzten Mal als „Hühnerhaufen“ verspotten lassen.

    Trikotwerbung bringt immer mehr Geld

    Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur dpa hat die Fußball-Bundesliga ihre Einnahmen durch das Trikotsponsoring in der Saison 2012/2013 abermals auf Rekordhöhe gesteigert. Rund 130 Millionen Euro (Saison 2011/1012: 120 Millionen Euro) lassen sich die derzeit noch 17  Unternehmen (der 1. FC Nürnberg sucht noch einen Sponsor) die Werbefläche kosten. Bis zu 23 Millionen Euro überweist die Deutsche Telekom nach Experten-Schätzungen dabei an Bayern München. Werder Bremen kassiert vom Geflügelproduzenten Wiesenhof geschätzte 6,5 Mio. Euro pro Jahr.

    22.08.2012
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