FC Bayern: Teuerster Bundesliga-Transfer
Die Kampfansage an den BVB heißt Martinez
Javier Martinez kommt zu den Bayern
VideoVideo Martinez
von Maik Rosner, MünchenDas wochenlange Tauziehen um Javier Martínez ist beendet. Dass sich der FC Bayern den defensiven Mittelfeldspieler als teuersten Profi der Bundesliga-Geschichte leistet, zeigt vor allem, dass die Münchner mit aller Gewalt zurück an die nationale Spitze wollen - vorbei am Rivalen Borussia Dortmund.
Auch die letzte Episode des Transfers kam krude daher. Längst hatte das Gerangel um Javier Martínez Züge einer Seifenoper angenommen, nun musste es auch noch eine aufgeflogene Geheimaktion bei Nacht sein. Am frühen Mittwochmorgen trug sie sich zu, der defensive Mittelfeldspieler von Athletic Bilbao beschloss gerade seinen Kurzbesuch in München. Aus dem Hinterausgang der Praxis von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sollte Martínez möglichst unentdeckt wieder entschwinden. Doch beim FC Bayern ist zur Not eben auch 24 Stunden Zeit für hollywoodreife Geschichten, lauernde Reporter inklusive.
Die Geheimaktion ging zwar daneben, doch immerhin kam am Mittwochnachmittag das entscheidende Okay aus Madrid. Noch so ein Schauplatz dieses bizarren Theaters um den defensiven Mittelfeldspieler, der nun als bisher teuerster Transfer in die Bundesliga-Geschichte eingeht. Einen Scheck in Höhe der festgeschriebenen Ablösesumme von 40 Millionen Euro hatte der FC Bayern zuvor ausgestellt. Beim spanischen Fußballverband RFEF und spanischen Ligaverband LFP wurden die letzten steuerlichen und juristischen Bedenken ausgeräumt und die Freigabe erteilt.
Martínez: „Endlich ist die Wartezeit vorbei“
Am späten Mittwochnachmittag meldete der FC Bayern Vollzug. „Dies war ohne Frage ein komplizierter Transfer“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in einer Pressemitteilung zitieren, „umso glücklicher“ sei man. Martínez sei nicht nur ein „sehr guter Spieler“, er besitze zudem „eine starke Persönlichkeit, Durchsetzungsvermögen und schon heute eine bemerkenswerte Verbundenheit für den FC Bayern“.
Der 23-Jährige hat bereits einen Fünfjahresvertrag bis 2017 unterzeichnet, dem Publikum könnte er sich schon am Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart vorstellen. Im vereinseigenen Internet-TV sagte Martínez: „Ich bin sehr glücklich und freue mich darauf, bei einem Klub mit einer derartigen Historie zu spielen. Ich habe sehr lange darauf warten müssen. Endlich ist die Wartezeit vorbei.“
„Bei den Bayern liegen die Nerven blank“
Vieles ist bereits zu vernehmen gewesen über den spanischen Nationalspieler, kompetente und weniger kenntnisreiche Einlassungen diverser Experten genauso wie Verweise auf seinen Nebenjob als Unterwäschemodel. Doch recht wenig ist noch darüber bekannt, wie gut Martínez wirklich ist. Manch einen Beobachter beschleichen Zweifel, ob die Größenordnung des Transfers ihre Berechtigung hat.
Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, noch ein wenig verstimmt vom zwischenzeitlichen Buhlen der Bayern um Lars Bender, sagte beispielsweise: „Ich habe das Gefühl, dass bei den Bayern die Nerven blank liegen. Sie versuchen, sich die Siegermentalität zurückzukaufen.“ Und ZDF-Experte Oliver Kahn, früher Kapitän der Münchner, erkennt auch eine Botschaft an Meister Borussia Dortmund, der sich in den vergangenen beiden Spielzeiten zum sportlichen Branchenführer hierzulande aufgeschwungen hat. „Ich habe das Gefühl, dass Bayern sich besonders unter Druck gesetzt fühlt, groß anzugreifen, um die Jahre der zweiten Plätze vergessen zu machen“, sagte Kahn. Frei nach Motto: Hallo BVB, wir strotzen vor Wirtschaftskraft!
Vier Spieler, eine freie Stelle
Den spannenden Fragen, wie sich Martínez unter der Last der Erwartungen und der zusätzliche Hypothek des Transfer-Hickhacks in München einfindet und warum der Klub bereit ist, für ihn einen Preis fernab des Marktwerts zu zahlen – diesen Fragen kann man sich nun zuwenden. Und auch jenen, wie die Mannschaft den sagenumwobenen Edelkicker aufnimmt.
Das gilt vor allem für die weiteren defensiven Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Luiz Gustavo und Anatoli Timoschtschuk. Für das bisher dort ansässige Stammpersonal wird das Betätigungsfeld nun auf eine freie Stelle schrumpfen. Und auch für die offensiven Thomas Müller und Zugang Xherdan Shaqiri dürfte es durch Martínez enger werden, sollte Kroos von Heynckes nun wieder verstärkt als Zehner betrachtet werden.
Chancen und Risiken
Neben der Chance auf ein sportliches Comeback der Bayern scheinen diesem Transfer auch einige Risiken anzuhaften. Für das Klima in der Mannschaft, für Martínez selbst, aber auch für den Ruf der Vereinsstrategen. Erweist er sich als die erhoffte Verstärkung und folgen in dieser Saison Titel, gilt das einzige überlieferte Zitat von seinem nächtlichen Kurzbesuch in München auch für den FC Bayern. Müde, aber vergnügt hatte Javier Martínez seinen Ausflug zur medizinischen Untersuchung mit zwei Worten beendet. „Todo bien“, alles gut.
29.08.2012
Auch die letzte Episode des Transfers kam krude daher. Längst hatte das Gerangel um Javier Martínez Züge einer Seifenoper angenommen, nun musste es auch noch eine aufgeflogene Geheimaktion bei Nacht sein. Am frühen Mittwochmorgen trug sie sich zu, der defensive Mittelfeldspieler von Athletic Bilbao beschloss gerade seinen Kurzbesuch in München. Aus dem Hinterausgang der Praxis von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sollte Martínez möglichst unentdeckt wieder entschwinden. Doch beim FC Bayern ist zur Not eben auch 24 Stunden Zeit für hollywoodreife Geschichten, lauernde Reporter inklusive.
Die Geheimaktion ging zwar daneben, doch immerhin kam am Mittwochnachmittag das entscheidende Okay aus Madrid. Noch so ein Schauplatz dieses bizarren Theaters um den defensiven Mittelfeldspieler, der nun als bisher teuerster Transfer in die Bundesliga-Geschichte eingeht. Einen Scheck in Höhe der festgeschriebenen Ablösesumme von 40 Millionen Euro hatte der FC Bayern zuvor ausgestellt. Beim spanischen Fußballverband RFEF und spanischen Ligaverband LFP wurden die letzten steuerlichen und juristischen Bedenken ausgeräumt und die Freigabe erteilt.
Martínez: „Endlich ist die Wartezeit vorbei“
Am späten Mittwochnachmittag meldete der FC Bayern Vollzug. „Dies war ohne Frage ein komplizierter Transfer“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in einer Pressemitteilung zitieren, „umso glücklicher“ sei man. Martínez sei nicht nur ein „sehr guter Spieler“, er besitze zudem „eine starke Persönlichkeit, Durchsetzungsvermögen und schon heute eine bemerkenswerte Verbundenheit für den FC Bayern“.
Der 23-Jährige hat bereits einen Fünfjahresvertrag bis 2017 unterzeichnet, dem Publikum könnte er sich schon am Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart vorstellen. Im vereinseigenen Internet-TV sagte Martínez: „Ich bin sehr glücklich und freue mich darauf, bei einem Klub mit einer derartigen Historie zu spielen. Ich habe sehr lange darauf warten müssen. Endlich ist die Wartezeit vorbei.“
„Bei den Bayern liegen die Nerven blank“
Vieles ist bereits zu vernehmen gewesen über den spanischen Nationalspieler, kompetente und weniger kenntnisreiche Einlassungen diverser Experten genauso wie Verweise auf seinen Nebenjob als Unterwäschemodel. Doch recht wenig ist noch darüber bekannt, wie gut Martínez wirklich ist. Manch einen Beobachter beschleichen Zweifel, ob die Größenordnung des Transfers ihre Berechtigung hat.
Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, noch ein wenig verstimmt vom zwischenzeitlichen Buhlen der Bayern um Lars Bender, sagte beispielsweise: „Ich habe das Gefühl, dass bei den Bayern die Nerven blank liegen. Sie versuchen, sich die Siegermentalität zurückzukaufen.“ Und ZDF-Experte Oliver Kahn, früher Kapitän der Münchner, erkennt auch eine Botschaft an Meister Borussia Dortmund, der sich in den vergangenen beiden Spielzeiten zum sportlichen Branchenführer hierzulande aufgeschwungen hat. „Ich habe das Gefühl, dass Bayern sich besonders unter Druck gesetzt fühlt, groß anzugreifen, um die Jahre der zweiten Plätze vergessen zu machen“, sagte Kahn. Frei nach Motto: Hallo BVB, wir strotzen vor Wirtschaftskraft!
Vier Spieler, eine freie Stelle
Den spannenden Fragen, wie sich Martínez unter der Last der Erwartungen und der zusätzliche Hypothek des Transfer-Hickhacks in München einfindet und warum der Klub bereit ist, für ihn einen Preis fernab des Marktwerts zu zahlen – diesen Fragen kann man sich nun zuwenden. Und auch jenen, wie die Mannschaft den sagenumwobenen Edelkicker aufnimmt.
Das gilt vor allem für die weiteren defensiven Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Luiz Gustavo und Anatoli Timoschtschuk. Für das bisher dort ansässige Stammpersonal wird das Betätigungsfeld nun auf eine freie Stelle schrumpfen. Und auch für die offensiven Thomas Müller und Zugang Xherdan Shaqiri dürfte es durch Martínez enger werden, sollte Kroos von Heynckes nun wieder verstärkt als Zehner betrachtet werden.
Chancen und Risiken
Neben der Chance auf ein sportliches Comeback der Bayern scheinen diesem Transfer auch einige Risiken anzuhaften. Für das Klima in der Mannschaft, für Martínez selbst, aber auch für den Ruf der Vereinsstrategen. Erweist er sich als die erhoffte Verstärkung und folgen in dieser Saison Titel, gilt das einzige überlieferte Zitat von seinem nächtlichen Kurzbesuch in München auch für den FC Bayern. Müde, aber vergnügt hatte Javier Martínez seinen Ausflug zur medizinischen Untersuchung mit zwei Worten beendet. „Todo bien“, alles gut.



