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SportXtreme

Mountainbike: Geschüttelt und gedreht

  • Video Die Sendung vom 11. September
  • Bilderserie Genussbiker und harte Jungs
  • YouTube-Video Amir Kabbani geht Radfahren
  • YouTube-Video Danny MacAskill, die Dritte
  • VideoDie Sendung vom 11. September

    Freerider nehmen das "Free" durchaus wörtlich: Viel Genuss und immer neue Stunts. Jeannine Michaelsen besucht Profi-Freerider und -Slopestyler Amir Kabbani. Und skyped mit Danny MacAskill.

    (12.09.2012)
    BilderserieGenussbiker und harte Jungs

    Entspannt nach oben und mit Geschick über Stock und Stein wieder runter: Freerider nehmen das "Free" durchaus wörtlich: Viel Genuss und bloß keinen Stress. Freeriden ist eines der Themen bei SportXtreme. Moderatorin Jeannine Michaelsen hat dafür Profi-Freerider und -Slopestyler Amir Kabbani besucht. Und mit Danny MacAskill geskyped.

    (08.09.2012)
    YouTube-VideoAmir Kabbani geht Radfahren

    Amir Kabbani baut gerne Rampen und fährt gerne Rad. Was das miteinander zu tun hat, zeigt er hier in seinem neuen Video.

    YouTube-VideoDanny MacAskill, die Dritte

    "Der Weltstar aus dem Internet", betitelte eine deutsche Zeitung ihre Story über Danny MacAskill, nachdem dieser sein zweites Video veröffentlicht hatte. Hier sein drittes Video. Ebenfalls "Weltklasse", finden wir.

    Viel hilft viel beim Freeriden

    von Dimitri Lehner

    Es war irgendwann Ende der 90er Jahre, als drei junge Kanadier in den Sandhügeln von Kamloops, British Columbia, völlig neue Wege gingen. Die Kreation der Herren ist später salonfähig geworden - und Thema bei SportXtreme.

    Links
    Guido Tschugg im Interview Freeride-Lexikon Das Blog zur SendungDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Wade Simmons, Richie Schley und Snowboard-Profi Brett Tippie interessierten sich nicht dafür, Abfahrten mit ihren Mountainbikes in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen wie das im Downhill-Sport üblich war. Oder in windschlüpfriger Kleidung von A nach B zu hetzen wie die Cross-Country-Biker.

    Im schwierigen Gelände

    Sie wollten mit dem Gelände spielen - ohne Zeitdruck. So wie es die Snowboarder im Winter tun, mit Steilabfahrten, Geländesprüngen und Drops über Klippen. Simmons, Schley und Tippie suchten sich bewusst schwieriges Gelände, um zu auszuloten, was mit dem Mountainbike alles möglich war - und erschufen damit ohne es zu wollen die Disziplin Freeride-Biken.

    Richie Schley / Quelle: sebastian Doerk

    Richie Schley
    Quelle: Sebastian Doerk

    Richie Schley, damals gesponsorter Skifahrer für Video-Produktionen, hatte gute Kontakte zu Fotografen - und so gingen die Fotos der drei Freerider in kürzester Zeit um die Welt, denn so was hatte die Bike-Welt bis dahin noch nicht gesehen. Bis heute hält dieser Trend an, und der Freeride-Gedanke inspiriert Biker in allen Erdteilen.

    Nur 100 Millimeter

    Wer sich die Bikes der Freeride-Pioniere anschaut, kann nur staunen. Denn die ersten Freerider wagten ihre Stunts auf straff gefederten Rädern mit steilen Lenkwinkeln und schmalen Lenkern. So rollte der US-Amerikaner Josh Bender 1997 auf einem Serien-Mountainbike über eine Zehn-Meter-Klippe. Benders Bike hatte gerade mal 100 Millimetern Federweg - damals das Maximum an Fahrwerkskomfort.

    Wade Simmons / Quelle: redbullcontentpool

    Wade Simmons
    Quelle: redbullcontentpool

    Zum Schutz schnallte sich Bender eine Splitterschutzweste aus Armee-Beständen um und wagte den Rekordsprung. Das Bike brach in zwei Teile, doch Bender überstand den Aufschlag unverletzt. In den Folgejahren wurden XXL-Drops sein Markenzeichen, die Szene krönte Josh Bender zum Star der neuen Freeride-Bewegung.

    Neue Technik, neue Techniken

    Diese extremen Anforderungen veränderten auch die Bike-Technik. Satte Federwege, breite Lenker, effektive Fahrwerkskinematiken und Rahmen mit tiefen Schwerpunkten erlauben heute selbst Hobby-Freeridern Stunts, die sich vor Jahren nicht einmal Profis gewagt hätten. Die meist gestellte Frage im Bikesport ("Wie viel Federweg brauche ich eigentlich?") lässt sich für Freerider daher leicht beantworten, nämlich: Viel hilft viel!

    Gerade Wochenend-Biker mit mangelnder Fahrpraxis freuen sich über jeden Zentimeter Federweg beim großen Drop im Bikepark, denn Federweg gibt Sicherheit und ersetzt mangelndes Fahrkönnen.

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    SportXtreme-Sendezeiten
    Erhöhtes Risiko

    Kurzum: Wer sich an Bikepark-Stunts, Drops und Fahrten durch steile Felsen-Trails wagen will, ist mit einem Big Bike am besten beraten. Und natürlich mit einer guten Krankenversicherung, denn ganz im Gegensatz zu Action-Sportarten wie Kitesurfen oder Tiefschnee-Skifahren enden Stürze im Freeride-Biken selten harmlos, sondern meist mit Schürfwunden, Prellungen oder gar Knochenbruch.

    2002 sorgte der Kanadier Tyler "Super T" Klassen für Schlagzeilen. Bei der Red Bull Rampage in der rötlich schimmernden Felsenlandschaft Utahs schanzte sich Klassen über eine zwölf Meter hohe Klippe, landete im knöcheltiefen Sand und schaffte es, den enormen Aufprall abzufangen und davon zu fahren. Unfassbar damals. Tyler Klassen gewann damit den renommiertesten Freeride-Wettkampf und zählte von nun an zu den Super-Droppern der Szene.

    New-School-Freerider

    Doch der Ruhm währte nicht lang, denn ein neuer Trend begann sich anzukündigen. BMX-Sportler, allen voran Freestyle-Ass Darren Berrecloth, versuchten, Tricks in ihre Drops und Sprünge einzubauen. Mit einem Mal zählte nicht mehr die reine Drop-Höhe, von nun an galt es einen Trick beim Sprung in die Tiefe zu zeigen.


    Darren Berrecloth beim Drop am Fels / Quelle: redbullcontentpool

    Darren Berrecloth beim Drop
    Quelle: redbullcontentpool

    "Runterplumsen kann jeder, das ist oldschool!", spottete die neue Riege der Freerider, "Wer dropt, ohne zu Tricksen, soll nach Hause gehen!" Das Slopestyle-Freeriden war geboren.

    Von nun an ging es nur noch um Tricks. Backflips, Frontflips, 360er, 720er, Tailwhips und komplizierte Trickkombinationen mit Bewegungsabfolgen, die Laien kaum erfassen konnten, waren die Folge - bis heute.

    Freeride als Wettbewerb

    Mittlerweile gibt es mit der Freeride World Tour (FMB World Tour) eine Wettkampfserie mit über 20 Einzel-Events, wo jedes Jahr der Weltmeister der Freeride-Trickser gekürt wird. Amtierender Champ ist der Kanadier Brandon Semenuk.

    Brandon Semenuk / Quelle: redbullcontentpool

    Brandon Semenuk
    Quelle: redbullcontentpool

    Der schlichte Drop, ein Relikt aus vergangenen Tagen? Für den Profi-Sport ja, für Hobby-Freerider dagegen gilt ein hoher Drop noch immer als ultimativer Mannesbeweis und hat nichts an seiner Faszination verloren. Denn mit einem Fahrrad ins Leere zu sacken, über die Abbruchkante hinauszuschießen und im freien Fall nach unten zu kippen, lässt dem Freizeit-Sportler unweigerlich Adrenalin in großen Mengen ins Blut schießen.

    Gelingt die Landung, wird der Biker mit Glücksgefühlen belohnt, die im diffusen Alltag unserer optimierten Komfort-Welt selten geworden sind - und mit Respekt seiner Biker-Kollegen.

    Tricks und Ticks der Freerider

    New School Freeriden

    Trickorientiertes Freeriden mit besonderem Augenmerk auf Flow, Geschwindigkeit und Sprungeinlagen. Extremform: Slopestyle-Biken. Hier werden auf speziellen Fahrrädern technisch schwierige Tricks am Berghang (Slope) ausgeführt - meist auf gebauten Stunts.

    Moschen

    Das Bike bergab knüppeln ohne viel Fahrtechnik und Raffinesse.

    Whippen

    Querstellen des Bikes in der Luft. Dabei wird nach dem Absprung das Hinterrad zur Seite und bei extremen Whips sogar nach vorne gedrückt, mit und ohne Schräglage. Seit 2011 gibt es inoffizielle Whip-Weltmeisterschaften. Amtierender Weltmeister ist der US-Amerikaner Tyler McCaul. Im Video Downhill-Brendan Fairclough, ein ausgemachter Whip-Spezialist.

    Stunt

    Künstlich angelegtes oder auch natürliches Feature, das von Bikern genutzt werden
    kann. Zum Beispiel: der "Drop" oder "Wallride". Stunt steht auch für Mutproben aller Art.

    Big Bike

    bigbike

    Räder mit viel Federweg (zirka 200 mm) und Doppelbrückengabel, ehemals Downhiller genannt.

    Lines

    Unsichtbare Linien im Gelände, die eine erfolgreiche Abfahrt durch technisch anspruchsvolles Terrain versprechen. Geübte Augen erkennen besonders spektakuläre Lines.

    Drop

    Natürliche oder gebaute Geländekante, die nur mit einem Sprung nach unten überwunden werden kann. Der Sprung über den Geländeabbruch wird ebenfalls "Drop" genannt, die Verbform: droppen.

    Der Sprungverlauf beim Drop im Gegensatz zum "Gap" ist hauptsächlich nach unten, weniger nach vorne gerichtet.

    Zu den spektakulärsten Drops in der Freeride-Geschichte zählt der 17 Meter hohe "Jah"-Drop in British Columbia/Kanada, den der Amerikaner Josh Bender vier Mal versuchte, doch jedesmal scheiterte.

    Im Video Raimund Matros aus dem Fichtelgebirge. Seine Lieblingsdisziplin ist der Drop aus der Schräge.

    Close call

    Beinahe-Sturz mit anschließendem Nervenflattern und Freude, ungeschoren davon gekommen zu sein.

    Casen

    Aufschlagen nach dem Sprung mit dem Hinterrad im Flachen vor der eigentlichen Schräge der Landung. Casen steht im engen Zusammenhang mit dem Phänomen des Close Call.

    Gap

    Natürliche oder gebaute Geländestufe, die nur im Sprung überwunden werden kann. Hier liegt die Landung im Gegensatz zum Drop jedoch weiter vom Absprung entfernt, so dass der Sprung mit viel Geschwindigkeit genommen werden kann und muss.

    Dadurch fällt der Sprungverlauf beim "Gappen" harmonischer aus, denn die Aufprall-Energie kann umgehend in Geschwindigkeit umgesetzt werden. Das Überspringen der Spalte (Gap) zwischen Absprung und Landung erfordert viel Erfahrung und Augenmaß, sonst besteht die Gefahr des "Casen".

    X-Up

    Trick beim Springen, bei dem der Lenker um 180 Grad verdreht wird und die Arme sich zum X verwinden.

    Table

    Sprunghügel in Form eines umgekippten Schubkarrens, der grob an einen Tisch erinnert. Der "Table" ermöglicht es dem Anfänger im Gegensatz zum "Double" gefahrlos oben auf dem Sprunghügel zu landen, wenn sie es nicht schaffen, den ganzen Sprunghügel zu überspringen.

    Double

    Sprunghügel bestehend aus einem Absprunghügel und einem Landehügel mit dazwischenliegender Spalte. Der "Double" erfordert Erfahrung und Können. Bei zu kurzen Sprüngen droht der Biker in den Spalt zu fallen.

    Manual

    Fahren auf dem Hinterrad ohne zu Pedalieren. Der Biker hält die Balance durch Verlagerung des Körpergewichts und sitzt nicht im Sattel. Sitzt der Biker während der Fahrt auf dem Hinterrad auf dem Sattel und pedaliert, nennt sich der Trick Wheelie.

    Bunny Hop

    Sprung mit dem Bike, bei dem der Fahrer zuerst das Vorderrad vom Boden anhebt, um sich dann über das Hinterrad abzudrücken.

    Spezialisten wie der Schotte Danny MacAskill können im Bunny Hop bis zu 1,5 Meter hohe Hindernisse überspringen.

    Eine (in Fachkreisen verschmähte) Variante des Bunny Hop ist der Schweine-Hop, bei dem der Biker beide Räder gleichzeitig vom Boden zieht - mit Hilfe seiner Klickpedale.

    Northshore

    Unter diesem Begriff werden Holz-Hindernisse und Stunts zusammengefasst.


    Am Northshore (Nordufer) Vancouvers haben die ersten Freerider Ende der 90er Jahre mit Holzleitern unwegsame Geländeabschnitte überbrückt, um das Gelände fürs Bike fahrbar zu machen. Das Balancieren auf diesen schmalen Brücken wurde daraufhin zu einer eigenen Disziplin im Freeriden.

    Dead Sailor

    Gerader Sprung ohne Trickeinlage, bei dem der Biker im Flug verkrampft, meist in Schräglage gerät, oft stützt oder einem Sturz gerade noch verhindern kann.

    Rampage

    Ein seit 2001 von einem Brause-Hersteller organisierter Wettkampf in den Sandklippen Utahs, zu dem die besten Freerider der Welt eingeladen werden. Dabei müssen die Fahrer sich eine besonders spektakuläre, "Line" ins Tal suchen, gespickt mit Drops, Gaps und anderen Stunts. Neuerdings werden auch künstliche Sprung-Rampen ins Gelände eingebaut. Wettkampfrichter beurteilen die Fahrten und erstellen eine Rangfolge.

    Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt. Sieger 2010 wurde der US-Amerikaner Cameron Zink. Die entscheidenden Punkte machte er mit einem 360-Grad-Drop (siehe Video). Die Rampage gilt als hochkarätigster Big-Mountain-Wettkampf und ultimativer Mutbeweis für Freeride-Profis.

    Flow

    Angelegt an das von Psychologen Mihály Csíkszentmihályi entdeckte Phänomen, bei dem das Bewusstsein auf das Jetzt und Hier einschmilzt und besonders intensives Erleben gewährt.

    Flow bedeutet jedoch mehr als Fahrfluss. Es beschreibt das Konglomerat aus Speed, sanften Fahrverlauf, schnellen, doch harmonischen Kurvenwechseln, gegebenenfalls geschmeidigen Sprüngen im nicht allzu rauem Gelände.

    Das Flow-Erlebnis ist der Wunsch-Zustand der meisten Freerider und leider selten zu erreichen. Daher werden neuerdings spezielle Strecken angelegt, die "Flow"-Erlebnisse garantieren wollen. Die bekannteste künstliche Flow-Strecke in Deutschland befindet im Bikepark Geisskopf im Bayerischen Wald.

    Wie "Flow" in der Praxis aussieht, das zeigen Martin Schüller und Max Schumann (beides deutsche Spitzenfreerider) hier im Video.

    Rebound

    Ausfeder-Impuls bei Federungen, nachdem die Feder besonders bei Sprunglandungen zusammengedrückt wurde. Der "Rebound" kann nach großen Drops besonders gefährlich werden und bewirkt, dass der Fahrer schleudersitzartig über den Lenker katapultiert wird, da das Heck nach oben schnalzt. Durch eine spezielle Öldämpfung wird der Rebound in modernen Federelementen verlangsamt.

    Doppelbrücke

    Großhubige Gabel mit meist 200 Millimetern Federweg und zwei Metall-Brücken zwischen den Holmen. Die Einfachbrücken-Gabeln haben bis zu 180 Millimeter Federweg. Die Faustregel lautet: Je gröber das Gelände, desto mehr Federweg.

    Senden

    Beherztes, entschlossenes "Abziehen" bei größeren Sprüngen.

    Kodak Courage

    Aktivieren einer zusätzlichen Portion Mut durch Anwesenheit von einem oder mehreren Fotografen, die den Stunt im Bild festhalten. Der Begriff entstand in der Zeit der analogen Fotografie, als die meisten Fotografen Filme der Marke Kodak verwendeten.

    Wallride

    Steilwandfahrt an einer künstlichen oder auch natürlichen senkrechten oder auch geneigten Fläche (zum Beispiel Felsplatte).

    11.09.2012
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