Abseits, Foul und Co.
Fußballregeln leicht gemacht
Ein Schiri muss das Regelwerk kennen
Abseits oder gleiche Höhe? Foul oder fairer Zweikampf? Ecke oder Abschlag? Wer das genaue DFB-Fußball-Regelwerk kennen will, musste sich bislang durch einen 120-Seiten-Wälzer kämpfen. In Bremen wurden die wichtigsten Regeln nun in leichte Sprache übersetzt – davon profitieren nicht nur Menschen mit Handicap.Von Ralf LorenzenWer das offizielle Regelwerk des Deutschen Fußballbundes (DFB) studieren möchte, braucht Zeit, Geduld und gute Sprachkenntnisse. Allein die Regel 11, das Abseits, wird auf neun Seiten erklärt - mit Bildern, gegen die die grafischen Erläuterungen des Eurorettungsschirms leichte Kost darstellen.Hemmende RegelnDennoch streiten sich selbst in der höchsten Spielklasse jede Woche Experten, Trainer und Spieler um die richtige Auslegung von Nachspielzeiten und Notbremsen. Wie soll es da erst Menschen gehen, für die die deutsche Sprache besonders schwer zu verstehen ist? Für Menschen mit Lernschwierigkeiten etwa, oder für Migranten, die noch nicht lange hier leben.„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das offizielle Regelwerk für gehandicapte Menschen hemmend wirken kann“, sagt Werder-Bremen-Mitarbeiter Tim Juraschek gegenüber ZDFsport.de. „Wir haben versucht, das aufs Einfachste runterzubrechen.“ Herausgekommen ist das Heft: „Fußball. Die wichtigen Regeln in leichter Sprache“ - 40 kompakte Seiten mit kurzen Sätzen und anschaulichen Fotos.Abseits muss nicht kompliziert sein
„Die Abseitsregel musste natürlich auch rein, weil es die berühmteste und komplizierteste Regel ist“, sagt Juraschek. So wird das passive Abseits nicht wie im offiziellen Regelwerk auf mehreren Seiten mit komplizierten Satzbau und 13 Grafiken erläutert. Sondern so: „Ein Spieler steht im Abseits, aber er bekommt den Ball nicht: das nennt man passives Abseits. Das Spiel geht dann meistens weiter.“ Dazu ein leicht verständliches Foto. Fertig. Als Projektleiter hat Tim Juraschek, der im Sozialmanagement von Werder Bremen arbeitet, die Produktion des Regelheftes zwei Jahre vorangetrieben. Die Idee kam von Werders Kooperationspartner im Sozialmanagement, der Lebenshilfe Bremen. „Wir haben die Kompetenz, schwierige Sprache in leichte Sprache zu übersetzen“, sagt deren Geschäftsführer Andreas Hoops. "Büro für leichte Sprache"Die Lebenshilfe Bremen betreibt seit acht Jahren das „Büro für leichte Sprache“, das im Auftrag von Behörden und Unternehmen komplizierte Schriftstücke übersetzt. „Auch bei uns gibt es viele fußballbegeisterte Menschen. Fast jede Werkstatt für behinderte Menschen hat eine eigene Fußballmannschaft, die auch an Wettbewerben teilnimmt“, sagt Hoops. „Aber kaum jemand kennt sich richtig mit den offiziellen DFB-Regeln aus. Von den vereinfachten Regeln profitieren nicht nur Menschen mit Handicap".
Die Regeln in leichter SpracheDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
Erstmals getestet wurden die neuformulierten Regeln bei einem Fußballtrainingslager für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. "Das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv. Daher haben wir den DFB angefragt, ob er das übersetzte Regelwerk anerkennt und unterstützt", erinnert sich Juraschek. Der Verband stimmte zu und holte die Sepp-Herberger-Stiftung mit ins Boot.Fußball für alle"Es gibt in Deutschland rund 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. Diese Menschen sind gehindert, am Alltagsleben teilzunehmen", sagt Eugen Gehlenborg von der Sepp-Herberger-Stiftung. "Uns ist es ein großes Anliegen, Fußball als Volkssport Nummer 1 allen Menschen zugänglich zu machen.Inzwischen hat das Regelwerk auch den Segen der Schiedsrichterzunft erhalten. "Es ist gut gelungen, die wesentlichen Regeln aufzugreifen“, findet Bundesliga-Spielleiter Peter Gagelmann. „Der Text ist leicht leserlich und die vielen Bilder besonders positiv." Große NachfrageKein Wunder, dass sich das kostenlose Heft zum Bestseller entwickelt. Die ersten 10.000 gedruckten Exemplare waren innerhalb von sechs Wochen vergriffen, Bestellungen kamen selbst aus Österreich und der Schweiz. Darin sind die Downloads von der Werder- bzw. der Lebenshilfe-Homepage noch gar nicht erfasst.„Mit so einer Nachfrage haben wir nicht gerechnet“, sagt Tim Juraschek. Besonders Werkstätten, Förderschulen und Sportvereine würden das Heft bestellen. „Wir haben aber auch die Rückmeldung bekommen, dass das Heft für Menschen mit Migrationshintergrund, die der deutschen Sprache noch nicht ganz so mächtig sind, eine große Hilfe ist."
29.09.2012
Passives Abseits einfach erklärt
Quelle: werder.de
Quelle: werder.de



