"Lumpi Lambertz ist Fortuna"
von Andreas MorbachEr ist eine Institution bei Fortuna Düsseldorf und einer von 13 Spielern, die nach dem radikalen Kaderumbau im Sommer noch an Bord sind beim Bundesliga-Aufsteiger. Andreas Lambertz ist kein begnadetes Talent, kein Grübler – und am Samstag Gast im „aktuellen sportstudio“.
"Frag den Lumpi"
Per Twitter können Sie uns Fragen an Andreas Lambertz schicken! Und zwar via Hashtag #FragdenLumpi
Wählerisch ist Andreas Lambertz im Fall der Fälle nicht. Der 15. Mai 2012, der Abend des entscheidenden Relegationsspiels zwischen Düsseldorf und Hertha BSC um das letzte freie Bundesligaticket, war so ein Fall. Umrahmt von brandgefährlichen Leuchtfeuern auf der Tribüne strömten Tausende Fortuna-Anhänger, manche mit Kleinkindern auf dem Arm, noch vor dem Abpfiff auf den Rasen. Als sie das Spielfeld irgendwann am Ende des Skandalabends dann auch offiziell fluten durften, stand plötzlich ein Fan neben Lambertz – und schob dem Kapitän des frisch gebackenen Aufsteigers ein Bengalo in die Hand.
Malocher und Unikum
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„In diesem Moment, an diesem Ort, hätte ich mir so ziemlich alles in die Hand drücken lassen.”
Andreas Lambertz über das Bengalo
Der 27-Jährige griff zu – und sagt rückblickend: „In diesem Moment, an diesem Ort, hätte ich mir so ziemlich alles in die Hand drücken lassen.“ Die ersten beiden Heimspiele im Fußball-Oberhaus mussten die Rheinländer wegen der wüsten Begleitumstände bei ihrer Rückkehr in die Bundesliga vor halbleeren Rängen austragen, und für Lambertz setzte es dazu noch eine persönliche Strafe: Zwei Spiele Sperre fürs Bengalo-Tragen – ein spezieller Platzverweis, der sich für den gebürtigen Dormagen-Hackenbroicher nach Rundenbeginn aber relativierte.
Denn parallel zu seiner Buße kurierte Lambertz eine Fußverletzung aus, hätte also ohnehin nicht spielen können. Zu seinem Bundesligadebüt kam der Mittelfeld-Malocher so oder so mit Verspätung, am dritten Spieltag, beim VfB Stuttgart. Und zwar als Unikum: Nie zuvor war in Deutschland ein Fußballer mit ein und demselben Verein von der vierten in die erste Liga durchmarschiert.
Charakterstarkes Maskottchen
SPORTstudio am Samstag
Studiogast ab 23 Uhr: Andreas Lambertz, Moderation: Katrin Müller-Hohenstein, Themen: Bundesliga, 2. Liga, Premier League
„Gäbe es in Düsseldorf ein Maskottchen, dann wäre das der Lumpi. Er ist Fortuna“, formuliert Finanzchef Paul Jäger die tiefe Verbundenheit zwischen dem Klub und dem Spieler, der seine Vertragsverlängerung (bis 2014) im vergangenen November entsprechend süffisant kommentierte: „Wo hätte ich auch sonst hingehen sollen?“
In der rhetorischen Frage schwingt nicht zuletzt das Wissen mit, sich in Düsseldorf nicht primär durch fußballerische Höchstbegabung unentbehrlich gemacht zu haben. Sondern vor allem durch enormen Fleiß, Zuverlässigkeit und Charakterstärke, so dass ihm Vorstandschef Peter Frymuth nun die offenen Arm entgegen streckt: „Lumpi hat noch viele Jahre als Fußballer vor sich – und ich hoffe, sie sind alle bei Fortuna.“
Wilde Bastelarbeiten
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„Er ist nicht fehlerfrei, aber immer bemüht – und das muss unser Weg sein!”
Fortuna-Trainer Norbert Meier
Größere Zweifel, dass es so kommen wird, hegen die Verantwortlichen am Flinger Broich nicht. Auch seitens des Trainers gibt es keine Bedenken. Nach dem Aufstieg startete Norbert Meier wilde Bastelarbeiten mit seinem Kader, holte im Sommer insgesamt 18 neue Spieler, nur 13 aus dem Aufstiegsteam durften bleiben. Einer davon: Andreas Lambertz, in Meiers Augen das lebende Synonym für das zurückliegende Jahrzehnt Fortuna Düsseldorf.
„Er ist nicht fehlerfrei, aber immer bemüht – und das muss unser Weg sein“, beschreibt der Chefübungsleiter seine Wertschätzung für den unkomplizierten Mann mit der Rückennummer 17. Dabei sind dem Geehrten selbst derartige Grundsatzgedanken eher fremd. „Ich mache mir insgesamt um nicht viel einen Kopf“, sagt der zweifache Familienvater, der Fotos seiner Kinder oder von feuchtfröhlichen Feiern ungeniert auf seine Homepage stellt.
Schöne Geschichte
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„Die Sache mit der Fackel war ein Fehler – auch wenn ich sie nur ein paar Sekunden in der Hand hatte.”
Andreas Lambertz
Die Geschichte mit dem Bengalo machte ihn allerdings schon ein wenig nachdenklich. Mit seiner Frau und seinen Eltern hat er darüber gesprochen. Nicht übermäßig lang, aber immerhin. Vergangenheitsbewältigung à la Lambertz, der gesteht: „Es war nicht schön, auf der Tribüne zu sitzen.“ Und der inzwischen findet: „Die Sache mit der Fackel war ein Fehler – auch wenn ich sie nur ein paar Sekunden in der Hand hatte.“
Seit er wieder gesund ist und seine Sperre abgesessen, stand Lambertz in drei Ligaspielen jeweils 90 Minuten auf dem Platz. Als der bekannt giftige Fußball-Arbeiter, bei dem viele bei jedem Düsseldorfer Aufstieg aufs Neue dachten, diese Klasse sei endgültig eine zu hoch für den furchtlosen Kämpfer. Doch im Gegensatz zu vielen anderen ist Andreas Lambertz immer noch da. „Und das“, findet sein aktueller Coach Norbert Meier, „ist wirklich eine schöne Geschichte.“