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Küssen verboten

Das Kreuz mit dem Zölibat

Zölibat bedeutet sexuelle Enthaltsamkeit. Die ehelose, keusche Lebensform gibt es in vielen Religionen für Geistliche – etwa Ordensleute, Priester oder Bischöfe. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „caelebs“ ab. Das bedeutet „allein, ehelos, unverheiratet“. Für katholische Priester ist der Zölibat bindend. Der Geistliche verpflichte sich radikal dem Dienst an Gott und Menschen, so die Begründung. Der Zölibat sei ein Zeichen für das endzeitliche Heil und die radikale Nachfolge Jesu. Daneben gibt es noch weitere praktische und theologische Begründungen. 

Abrufvideo: Küssen verboten

Der Film zeigt das Thema Zölibat aus unterschiedlichen Perspektiven. Funktioniert ein Leben ohne Sex überhaupt? Warum hält die katholische Kirche an der Pflicht zum Zölibat fest?

(17.05.2012)

Interaktiv

(16.05.2012)
Welche der folgenden Veränderungen ist am wichtigsten? [M]

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Politbarometer zur katholischen Kirche

(24.04.2011)

von Jürgen Erbacher

Der Zölibat hat biblische Wurzeln; als Pflicht für den Klerus lässt er sich aber nicht direkt aus der Bibel ableiten. Mehrfach wird im Neuen Testament die Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ gewürdigt (vgl. Mt 19,12). Doch gibt es etwa in den sogenannten Pastoralbriefen auch Hinweise auf verheiratete Amtsträger (vgl. 1 Tim 3, Tit1). Bereits im vierten Jahrhundert gibt es erste – oft regionale - rechtliche Bestimmungen zum Zölibat für Geistliche. Zur Pflicht für alle Kleriker der römisch-katholischen Kirche wird der Zölibat 1139 auf dem Zweiten Laterankonzil.

Zitate aus kirchenamtlichen Dokumenten:

Codex des Kanonischen Rechts

"Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Träger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können."  (Can. 277 §1)

Katechismus der Katholischen Kirche

"Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an." (Katechismus, 1579)

Papst Benedikt XVI.

"In Einheit mit der großen kirchlichen Tradition, mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und meinen Vorgängern im Petrusamt bekräftige ich die Schönheit und die Bedeutung eines im Zölibat gelebten Priesterlebens als ausdrucksvolles Zeichen der völligen und ausschließlichen Hingabe an Christus, an die Kirche und an das Reich Gottes und bestätige folglich seinen obligatorischen Charakter für die lateinische Tradition. Der in Reife, Freude und Hingabe gelebte priesterliche Zölibat ist ein sehr großer Segen für die Kirche und für die Gesellschaft selbst." (Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis, 24)

Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils

"Die ständige und vollkommene Enthaltsamkeit ist zwar nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigen. […] Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen." (Presbytorum Ordinis: Dekret über Dienst und Leben der Priester des II. Vatikanischen Konzils, 16)

In der katholischen Kirche gibt es nur wenige Ausnahmen vom Pflichtzölibat. Dazu zählen etwa Konvertiten aus anderen christlichen Konfessionen. Tritt ein verheirateter Pfarrer aus der protestantischen oder anglikanischen Kirche zur katholischen Kirche über, kann er auch als verheirateter Mann zum Priester geweiht werden. Meist wird er dann nicht in einer Gemeinde eingesetzt, sondern in der Sonderseelsorge etwa der Krankenhauspastoral. Auch bei den sogenannten katholischen Ostkirchen können Priester heiraten – nicht aber Bischöfe.

Unter den christlichen Kirchen ist die römisch-katholische Kirche die einzige, die den Pflichtzölibat für Kleriker fordert. Zölibatär lebende Ordensleute (Männer und Frauen), Eremiten oder Gottgeweihte Jungfrauen gibt es auch in anderen christlichen Konfessionen.

Katholische Kirche hält am Pflichtzölibat fest

Das ehelose, keusche Leben versprechen die Priesteramtskandidaten bei der Diakonenweihe gegenüber dem Bischof. Die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung kann nur durch eine „Laisierung“, die Rückversetzung des Klerikers in den Laienstand, durch den Papst erfolgen. Danach ist auch eine kirchliche Heirat des ehemaligen Priesters möglich. 

 Seit Jahrzehnten gibt es in der katholischen Kirche Forderungen, die Zölibatspflicht abzuschaffen. Es wird auch darüber diskutiert, erfahrene Männer, die verheiratet sind, zu Priestern zu weihen – sogenannte „Viri probati“. Oft werden diese Überlegungen mit Verweis auf den Priestermangel in vielen Regionen der Welt vorgebracht. Die katholische Kirchenführung in Rom betont immer wieder, dass sie am Pflichtzölibat festhalten will.

Inhalt und Hintergründe zur Doku:

Pflichtzölibat oder freiwillig im Zölibat leben?

Der Film bricht die übliche Verengung der Zölibats-Diskussion auf die Frage "Sex - ja oder nein" auf und zeigt, dass es durchaus möglich ist, freiwillig im Zölibat zu leben. Doch die entscheidende Frage der Autoren ist: Braucht es den Pflichtzölibat?
Im Film sprechen Pater Norbert Cuypers und der ehemalige Priester Anton Aschenbrenner über ihre Erfahrungen mit dem Leben im Zölibat. Aschenbrenner wurde 2003 vom Bistum Passau vom Priesteramt suspendiert, weil er sich für ein Leben mit Frau und Kind entschieden hatte. Norbert Cuypers gehört dem Orden der Steyler Missionare an. Für ihn macht der Zölibat vor allem in Verbindung mit dem Ordensleben Sinn; denn dort liegt auch der historische Ursprung der ehelosen Lebensform.
Im Gespräch mit Experten beleuchten die Autoren zudem Geschichte und Theologie des Zölibats.

70 Prozent der Kirchgänger für Zölibat-Aufhebung

Der Zölibat gehört zu den heiß diskutierten Reformthemen der katholischen Kirche. Viele Menschen - Katholiken und Nichtkatholiken - können nicht verstehen, dass katholische Priester nicht heiraten dürfen. Sie erleben zugleich, dass viele Priester heimlich in einer Beziehung leben.
Nach einer ZDF-Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom April 2011 fordern selbst unter den Kirchgängern rund 70 Prozent die Aufhebung des Pflichtzölibats. Der Film beleuchtet das Thema Zölibat aus unterschiedlichen Perspektiven. Es geht unter anderem um die Frage, ob ein Leben im Zölibat überhaupt gelingen kann und ob der Pflichtzölibat noch zeitgemäß ist.

Lesenswertes zum Thema Zölibat

Erich Garhammer: "Zölibat zwischen Charisma und Zwang", Echter-Verlag (2011)

Wunibald Müller: "Liebe und Zölibat": Wie eheloses Leben gelingen kann, Topos Plus (2012)

Armin Schwibach: "Reizthema Zölibat": Pressestimmen Fe-Medienverlag (2011)

Annette Bruhns, Peter Wensierski: „Gottes heimliche Kinder“: Töchter und Söhne von Priestern erzählen ihr Schicksal, DVA (2006) - gebraucht zu erhalten

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