von Frank Vorpahl
Im Alter von elf Jahren erkundet er mit seinem Vater die unwirtliche Kalmücken-Steppe am Unterlauf der Wolga. Gerade 13-jährig übersetzt er in London die "Chronik Russlands" aus dem Russischen ins Englische. Mit 17 Jahren bricht er an der Seite von Captain Cook zur längsten Forschungsexpedition in der Geschichte der abendländischen Seefahrt auf. Georg Forster, der deutsche Pastorensohn aus der Nähe von Danzig, war Universalgenie und Multitalent: Naturforscher und Ethnologe, Zeichner und Sprachkundler, Freimaurer und Alchimist, Schriftsteller, Aufklärer und Revolutionär. Vor allem aber: Entdecker.Kurzclip zu Expedition in die SüdseeSuche nach "terra australis"
Seine erste große Expedition startet im Jahre 1772 an Bord von James Cooks "Resolution". "Schuhschachtel" nennt er die winzige Schiffskabine, die er sich mit seinem Vater, dem Naturgelehrten Johann Reinhold Forster, teilen muss. Sauerkraut soll auf der langen Fahrt gegen Skorbut, Pökelfleisch gegen den Hunger helfen. Doch bald stinkt es aus den Fässern, auch den beiden Deutschen fallen die Zähne aus. Mehr noch als Stürme und Eiseskälte bedrohen Hunger und Auszehrung das ganze Unternehmen. Denn die Fahrt geht immer wieder ins ewige Eis, weil Cook nach der "terra australis" sucht - einem fruchtbaren Kontinent am Südpol.Tatsächlich kommt der Brite der Antarktis näher als je ein Mensch zuvor, doch das Packeis droht das Schiff zu zertrümmern. Georg Forster, als naturwissenschaftlicher Assistent und Zeichner der Expedition an Bord, bringt noch mit froststarren Händen Pinguine zu Papier. Oder er studiert die elektromagnetischen Leuchterscheinungen in der Polarnacht und tauft sie "Aurora australis".Präzise Zeichnungen
Für James Cook sind die Inseln der Südsee nur notwendige Versorgungsstationen für seine Antarktis-Vorstöße. Seine Männer brauchen Wasser und Proviant. Georg Forster dagegen - der Naturwissenschaftler - kann auf den Inseln der Südsee eine Vielzahl unbekannter Pflanzen- und Tierarten entdecken. Auf fast 1000 Zeichnungen hält er sie präzise fest, darunter viele Spezies, die heute ausgestorben sind.Vor allem aber studiert er die Inselbewohner, ihre Sitten und Gebräuche, fremde Sprachen und Kulturen. Auf Tahiti verliebt er sich sogar. Doch übersieht er weder die Kriegsflotte der Tahitianer, noch die Gewalttätigkeiten der weißen Entdecker, die sich zur Not mit Gewalt nehmen, was die Insulaner ihnen verweigern. Forster fragt in seinen Reisenotizen, wer eigentlich die Barbaren sind: die "Wilden"? Oder die Europäer? Und er ahnt, dass mit der Entdeckung der Südsee auch die Zerstörung ihrer Kultur einsetzen wird.
Menschen sind grundsätzlich gleich
Als Cook 1774 im Südpazifik die Neuen Hebriden und Neukaledonien aufspürt, kann Georg Forster erstmals die bis dahin unbekannte Kultur Melanesiens erkunden. Trotz Kannibalismus und verstörender Tabu-Regeln gelangt Forster zu einer epochalen Erkenntnis: Menschen - ob nun in Europa oder am anderen Ende der Welt - sind ihrer Natur nach grundsätzlich gleich.Die Idee der Gleichheit lässt Forster nie mehr los - und macht ihn zwei Jahrzehnte später zum begeisterten Anhänger der französischen Revolution. Als 1793 französische Revolutionstruppen das deutsche Interventionsheer über den Rhein fegen, stellt sich Georg Forster - inzwischen ein berühmter Mainzer Universitäts-Professor - an die Spitze der ersten deutschen Republik, verkündet die Pressefreiheit, organisiert Wahlen, will seine "Mainzer Republik" dem revolutionären Frankreich anschließen.Tod im französischen Exil
Doch während er in der französischen Nationalversammlung dafür wirbt, stellen am Rhein preußische Kanonen die alte Feudal-Ordnung wieder her. Eine Rückkehr nach Deutschland ist Forster nun nicht mehr möglich, er bleibt im französischen Exil. Im Januar 1794, noch nicht 40-jährig, stirbt Georg Forster in Paris an einer Lungenentzündung - mitten in der Vorbereitung zu einer Entdeckungsreise, die ihn unter französischer Flagge nach Indien führen sollte.

