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Terra X

 
Arminius der Cherusker. Quelle: ZDF/Martin Christ
Zwischen den Fronten: Cherusker Arminius im Dienst der Römer

Kampf um Germanien

Der Römer aus Germanien

Zum Sieger der Varusschlacht sind nur wenige biografische Fakten bekannt

Die Faktenlage über den Bezwinger der Varus-Legionen ist dürftig. Arminius haben ihn die Römer genannt, zum Hermann wurde er durch Luther. Weitere Details aus dem Leben des Cherusker-Fürsten erschließen sich in erster Linie durch römische Quellen und die Einschätzung der modernen Wissenschaft.

 
 
 
 

"Es gab damals einen jungen Mann aus vornehmen Geschlecht, der tüchtig im Kampf und rasch in seinem Denken war", so beginnt die einzige Beschreibung unseres Helden durch jemand, der ihn vielleicht gekannt hat. Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus hatte unter Tiberius Kriegsdienst geleistet und war mithin Zeitgenosse. "Ein beweglicherer Geist, als es die Barbaren gewöhnlich sind", lobte er ihn, was aus der Feder eines Römers schon ein gewaltiges Kompliment ist, "er hieß Arminius und war der Sohn des Segimer, eines Fürsten jenes Volkes".

Das Hermannsdenkmal bei Detmold (eingeweiht 1875). Quelle: ZDF/Peter Arens
ZDF/Peter Arens
Frankreich, nicht Rom im Blick: Hermannsdenkmal bei Detmold aus dem Jahre 1875

Aus Arminius wird Hermann

Die beiden folgenden Jahrtausende haben kaum mehr an biografischen Fakten zum Sieger der Schlacht zu bieten. Tatsächlich wissen wir nicht einmal, wie ihn seine Eltern nannten. Arminius sicherlich nicht, denn dies war sein römischer Name und die Eindeutschung zu "Hermann" geschah erst durch Martin Luther vor 500 Jahren. Klopstocks "Hermanns Schlacht" (1769) und Heinrich von Kleists "Die Hermannsschlacht" (1821) verankerten den Namen weiter im deutschen Sprachgebrauch. Tatsächlich lässt der Name Arminius kaum Schlüsse auf seinen cheruskischen Ursprung zu. Er ist wahrscheinlich keine latinisierte Form eines germanischen Wortes. Alle Versuche, "Arminius" aus dem Germanischen abzuleiten, schlugen fehl. Im Volksmund aber ist Arminius längst Hermann geworden, nicht erst, seitdem er unter diesem Namen über dem Teutoburger Wald wacht.

Geboren wurde er aller Wahrscheinlichkeit nach etwa um 17 v.Chr. als Sohn des Cheruskerfürsten Segimer. Der Knabe war Teil einer führenden Sippe des Stammes der Cherusker. Die antiken Schriftsteller wussten mit ihnen nichts Rechtes anzufangen. Während Caesar berichtete, sie lebten nahe dem Stamm der Sueben und würden von diesen nur durch einen "großen Wald" getrennt, siedelten sie bei Tacitus weiter südlich bei Chatten und Chauken. Man geht heute davon aus, dass die Cherusker zwischen Weser, Elbe und Harz zu Hause waren. Die Quellgebiete von Lippe und Ems lagen in ihrem Siedlungsgebiet.

Arminius und Flavus (Spielszene).
Arminius und Bruder Flavus, "der Blonde" (Spielszene)

Im Dunkel der Geschichte

Dem Stamm war nur eine vergleichsweise kurze Geschichte beschieden. Von Caesar um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. erstmals erwähnt, verschwand der Name bereits 200 Jahre später wieder von der politischen Landkarte. Aus dem Dunkel der Geschichte sind nur wenige Mitglieder dieses Stammes namentlich hervorgetreten. Außer Arminius' Vater Segimer sind sein Onkel Inguomer und ein weiterer Verwandter namens Segestes überliefert. Jener Segestes hatte einen Bruder, der ebenfalls Segimer hieß, einen Sohn namens Segimund und einen Neffen Sesithacus. Von Arminius' Bruder - Flavus - ist ebenfalls nur der römische Name "der Blonde" bekannt.

Das Hermannsdenkmal bei Detmold (eingeweiht 1875).
Flügelhelm statt Krone für den "Einer der Nation"

Kein Gemälde und keine Schriftquelle enthält Anhaltspunkte für sein Aussehen. Ob Arminius blond war oder rothaarig, wie die Römer einen Bewohner dieser Region meist stereotyp beschrieben, ob er stattlich war oder eher gedrungen - sein Aussehen bleibt der Fantasie überlassen. Den Flügelhelm allerdings, mit dem das Hermannsdenkmal verziert ist, wird er wohl nie getragen haben. Im 19. Jahrhundert ersetzte der Helm die Krone, die man dem "Einer der Nation" gern verliehen hätte.

Krake Rom greift nach Germanien

Die westgermanische Oberschicht dagegen kannte zu jener Zeit keine Könige. Die Stämme wurden vielmehr von fürstlichen Sippen angeführt, die nicht selten auch in Konkurrenz zueinander standen. Männer wie Arminius' Vater Segimer waren es, die die Verhandlungen mit Rom führten, jener Macht, die wie ein Krake immer weiter ausgriff und auch die Stammesgebiete der Germanen ins Visier genommen hatte. Die Römer nannten das riesige keilförmige Gebilde, das sich in den Begrenzungen durch den Rhein und die Donau ergab, Germania magna. Ihren Bewohnern dagegen war die Region Heimat.

 

Infobox

Buchcover Kampf um Germanien. Quelle: Eichborn
Eichborn

Quelle

Dieser Artikel von Peter Arens stammt aus dem Begleitbuch zur Serie "Terra X - Kampf um Germanien" aus dem Eichborn Verlag. Ausführliche Angaben zum Buch und weitere Literatur-Tipps erhalten Sie auf der Literatur und Links-Seite.

 
 
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