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12. Februar 2012
 

ZDFneo

 
Der Rattenfänger und die verschwundenen Kinder. Quelle: ZDF
Rattenfänger, Spielmann, Pieper: Scharlatan oder Mensch mit übernatürlichen Fähigkeiten?

neoDokus

Der Rattenfänger und die
verschwundenen Kinder

Dichtung und Wahrheit

Am 26. Juni 1284 verschwanden aus der stolzen Kaufmannsstadt Hameln 130 Kinder auf mysteriöse Weise. Das Ereignis erschütterte die Bürger derart, dass sie für ihre Gemeinde die Zeitrechnung "nach dem Ausgang unserer Kinder" einführten. Obwohl das präzise Datum und die Anzahl der Vermissten in allen Dokumenten identisch verzeichnet sind, blieben die Hintergründe nebulös.

 
 
 
 

Als "wunderlich" bezeichnen die Brüder Grimm den geheimnisvollen Mann im bunten Rock, die die Geschichte 1816 unter dem Titel "Die Kinder zu Hameln" in ihre Sagensammlung aufnahmen und sich auf elf verschiedene Quellen beriefen. Der Fremde gab sich als Rattenfänger aus und versprach, gegen Geld die Stadt von allen Ratten und Mäusen zu befreien.

 

Rache für verweigerten Lohn

Tatsächlich lockte er einen riesigen Haufen der unerwünschten Nager an die Weser - allein mit den Tönen seines Pfeifchens. Die Tiere stürzten sich ins Wasser und ertranken. Von der lästigen Plage befreit, verweigerten die Verantwortlichen jedoch den vereinbarten Lohn.

 
Inschrift auf Hauswand. Quelle: ZDF
ZDF
Diese Inschrift an einer Hauswand erinnert in Hameln an die Ereignisse von 1284

Zornig verschwand der Spielmann, kehrte aber bald darauf zurück - mit rotem Hut und in der Kleidung eines Jägers. Als er seine betörenden Klänge in den Gassen hören ließ, sammelten sich viele Kinder um ihn. Nach Aussagen von Augenzeugen führte er sie aus den Mauern hinaus in die Felder und dann direkt in einen Berg. Dort verliert sich ihre Spur.

 

Neue Heimat im Osten?

Machte der vermeintliche Rattenfänger in Wahrheit Propaganda für die Besiedlung neuer Gebiete und suchte Freiwillige? Wissenschaftler erklären den sagenhaften Auszug mit dem großen Treck nach Osten, der im 13. Jahrhundert für viele Menschen in den überfüllten Städten als Rettungsanker winkte. Belegt ist, dass professionelle, bunt gekleidete Werber in Begleitung von Trommlern oder Pfeifern im Auftrag des Deutschen Ritterordens unterwegs waren, um Siedler für die Kolonisation der weiten, unbebauten Flächen im Osten zu gewinnen.

Infobox

"Märchen & Sagen" in ZDFneo

Drei Folgen der Doku-Reihe ab Montag, 8. Februar, jeweils um 20.15 Uhr:

  • 8. Februar: Schneewittchen und der Mord in Brüssel
  • 9. Februar: Der Rattenfänger und die verschwundenen Kinder
  • 10. Februar: Sterntaler und das himmlische Gold

Der These zufolge gilt der Begriff "Kinder" sicher nicht für Minderjährige, sondern für junge Leute, die noch den Mut aufbringen, das Risiko einzugehen und eine Existenz in der Fremde zu gründen. Nach dem Aufbruch verlor sich schnell der Kontakt zum bisherigen Zuhause, regelmäßige Postzustellung existierte noch nicht. Und bald wusste niemand mehr, wo die Emigranten geblieben waren.

Pesttote. Quelle: ZDF
ZDF
Der schwarze Tod: Sind die verschwundenen Kinder Opfer einer Pestepidemie geworden?

Opfer der Pest?

Eine weitere Theorie basiert auf der Vermutung, die 130 Jugendlichen seien der Pest zum Opfer gefallen, die im Mittelalter einen Großteil der Bevölkerung dahin raffte. Während einer Epidemie konnten durchaus Menschen "verschwinden". In dieses Umfeld fügen sich die Ratten nahtlos ein. Dass Tiere auf akustische Signale reagieren, ist längst bewiesen. Vermutlich lockten in früheren Zeiten Profi-Fänger tatsächlich Ratten mit Tönen an, um sie dann auf andere Weise unschädlich zu machen.

 

Um den rätselhaften Entführer von Hameln rankt sich eine merkwürdige Story zwischen Fiktion und Fakten, zwischen crime und mystery. Keine andere Sage wurde über mehr als 700 Jahre immer wieder neu interpretiert und in Literatur, Musik oder Malerei umgesetzt - historische Botschaften in einem erzählerischen Kleid. Nach diesen versteckten Botschaften zu suchen und dennoch den Zauber nicht zu vergessen, hat sich der Film zur Aufgabe gemacht.

 
 
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