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12. Februar 2012
 

ZDFneo

 
Germanen-Versammlung im Thing. Quelle: ZDF
Nächtliche Versammlung der Germanen am Thing

neoDokus

Kampf um Germanien (1/2)

Der Verrat des Arminius

Seit dem 15. Jahrhundert wurde der germanische Krieger Arminius als "Hermann, der Cherusker" zum deutschen Nationalhelden verklärt. Die "Varusschlacht", seltsamerweise nach ihrem Verlierer benannt, wurde als Geburtsstunde der Deutschen gefeiert. Wer war Arminius und woher stammte er?

 
 
 

Infobox

Sendedaten

Sehen Sie den ersten Teil der Dokumentation "Kampf um Germanien" am Montag, 27. Juni um 19.30 Uhr bei ZDFneo.

Ob Arminius als erster Deutscher gelten kann - darüber wird seit Langem heftig debattiert. Üblicherweise wird mit der Reichsgründung des Sachsen Otto I. im 10. Jahrhundert erstmals von einer deutschen Nation gesprochen. Vorfahren der Deutschen waren die Germanen indes schon - in territorialer und kulturell-sprachlicher Hinsicht. Und sicher ist Arminius in gewisser Weise die früheste Identifikationsfigur, die im Sinne einer weit gefassten deutschen Geschichte namentlich greifbar ist. Vor ihm verlieren sich die Spuren in den Nebeln europäischer Frühgeschichte.

 
Karte Germanen-Stämme. Quelle: ZDF
ZDF
Die Verteilung der Germanen-Stämme

Römische Propaganda

Die Eroberung Germaniens war Teil der Expansionspolitik von Kaiser Augustus. Bis zur Elbe wollte er die Stämme Germaniens unterwerfen. Inwiefern ihm das gelang und Germanien bereits den Status einer römischen Provinz hatte, ist bis heute umstritten. Die römische Propaganda ließ an der Unterwerfung Germaniens jedenfalls keinen Zweifel.

 
Historiker über Römer und Germanen

Die Germanen waren kein einheitliches Volk, sondern setzten sich aus einer Vielzahl untereinander zum Teil verfeindeter Stämme zusammen. Die Cherusker, der Stamm des Arminius, waren unter Führung des Fürsten Segestes ein Bündnis mit den militärisch überlegenen Römern eingegangen, doch nicht alle waren mit dem Bündnis einverstanden. Als Treuebeweis forderten die Römer deshalb ihre Kinder als Faustpfand - auch Arminius und Flavus, die Söhne Segimers, die auf diese Weise in römische Obhut kamen. Der genaue Weg der beiden Brüder ist nicht überliefert, aber es ist gut möglich, dass er nach Rom führte.

 

Unterschiedliche Lebenswelten

Die Reise von Arminius und Flavus ist eine Reise durch die unterschiedlichen Lebenswelten von Germanen und Römern. Die Germanen kannten keine Städte oder massiven Steinhäuser. Sie lebten in einfachen Dorfsiedlungen und Langhäusern, in denen Menschen und Vieh gemeinsam untergebracht waren. In der rauen und feindlichen Natur Germaniens fühlten sich die Römer unwohl, die archaische Landschaft entzog sich ihrer Kontrolle. Deshalb schufen sie sich in ihren wohl geordneten Lagern und stadtähnlichen Siedlungen Refugien römischer Lebensart. Staunend machen die kleinen Cherusker Arminius und Flavus ihre ersten Schritte in die Welt der römischen Zivilisation.

 
Römersiedlung Waldgirmes (Computerrekonstruktion). Quelle: ZDF
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Römersiedlung Waldgirmes (Computerrekonstruktion)

Die Kindergeiseln sollen die Beziehungen zu den Germanen nicht nur kurzfristig sichern, sondern die Germanen langfristig zu Verbündeten Roms machen: Von den Römern lernt der Germane Arminius das Kriegshandwerk. Als Reiterpräfekt ist er an der Niederschlagung eines Aufstandes in der römischen Provinz Pannonien beteiligt und erfährt so die militärische Überlegenheit römischer Legionäre gegenüber barbarischen Truppen. Für seine Treue wird er mit dem römischen Bürgerrecht und den Annehmlichkeiten des römischen Lebens belohnt. Äußerlich erinnert kaum noch etwas an seine germanische Herkunft.

 

Friedliches Zusammenleben?

Arminius kehrt an der Seite des römischen Statthalters Varus nach Germanien zurück, um diesem bei der Durchsetzung römischer Herrschaft zu helfen. Von Haltern aus ziehen die Römer in ihr Sommerlager an der Weser. Sie zeigen Präsenz und nehmen das Land systematisch in Besitz. Entlang der Flüsse errichten sie Lager und bauen ihre Infrastruktur aus. Auf der Basis neuester Forschungsergebnisse vermitteln heute Ausgrabungen und Computerrekonstruktionen der römischen Zivilsiedlung von Waldgirmes an der Lahn eine detailgetreue Vorstellung von der Prachtentfaltung der Römer. Sie verliehen ihrem Herrschaftsanspruch durch eine lebensgroße, vergoldete Reiterstatue von Kaiser Augustus Nachdruck. Gleichzeitig zeugt Waldgirmes von der Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens von Römern und Germanen.

 
Reiterstatue Kaiser Augustus (Computerrekonstruktion). Quelle: ZDF
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Reiterstatue Kaiser Augustus (Computerrekonstruktion)

Doch die Römer stoßen auch auf Ablehnung: Nicht überall wollen die Germanen am Fortschritt teilhaben, den ihnen die Römer ungefragt aufzwingen. Varus greift in Germanien mit gewohnt harter Hand durch. Wie in römischen Provinzen üblich, versucht er römisches Recht und römische Steuern durchsetzen. Viele Germanen sehen in den Römern deshalb verhasste Ausbeuter - sie sind es nicht gewohnt, für andere zu wirtschaften.

 
Rückkehr des Arminius (Spielszene). Quelle: ZDF
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Rückkehr des Arminius (Spielszene)

Zweifel an der Gerechtigkeit

Auch Segimer sieht in der römischen Herrschaft keinen Fortschritt, sondern nur Knechtschaft. Sein Sohn Arminius stößt als überzeugter Vertreter Roms zuhause erst auf Ablehnung. Als er aber mit eigenen Augen sieht, wie rücksichtslos sich die Römer über die Sitten und Gebräuche seines Stammes hinwegsetzen, beginnt Arminius an der Gerechtigkeit der römischen Sache zu zweifeln und besinnt sich seiner germanischen Wurzeln. Zudem erkennt er, dass er bei den Römern nie die Position einnehmen würde, die ihm als Sohn eines Stammesfürsten bei den Germanen zusteht. Arminius tauscht seinen römischen Gladius gegen einen germanischen Speer: Auf dem Thing, einer Stammesversammlung, wird er zum Befürworter des Aufstands gegen Rom und zum Anführer der Germanen. Arminius ist entschlossen, die römischen Legionen unter Varus zu vernichten.

 
 
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